Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Life Management ist Ihr VIP Kraftcoach

Kontaktdaten

CSiegmannl

Cornelia Siegmann
cert. NLP Trainerin, Mediatorin, Neurocoach

Tel: 0711 46 99 55 03
Skype: cosie57
Mail: siegmann@vip-neurocoach.de

Glück – Die Erforschung unserer größten Sehnsucht

Zu gut 50 Prozent ist das Glücksempfinden vererbt. Für die andere Hälfte aber ist jeder selbst verantwortlich

Erfolg modul

Der Weg zum menschlichen Glück ist schwer zu durchschauen.

Manche, die alles haben, sind unglücklich. Andere sind trotz schwerem Schicksal glücklich.

Warum? Wissenschaftler rätseln. Sind es die Gene?

Es ist ein lauer Augustabend, als Markus Rehm zu seinem Vater ins Auto steigt und mit ihm noch schnell zum Fluss fährt. Ein Junge, 14 Jahre alt, hellblond, mit schmalem Gesicht und dem sehnigen Körper eines Leichtathleten. Er will auf seinem Wakeboard, einer Art breitem Wasserski, noch eben ein paar Sachen ausprobieren, Sprünge, Tricks.

Sie machen das oft. Der Vater fährt das Motorboot, er schnürt durch die glatte Wasseroberfläche, er zieht den Sohn, der wie ein wendiger Drachen hinter ihm herfliegt. Markus versucht Sprünge, manchmal misslingt ihm einer, und er klatscht aus größerer Höhe ins Wasser. Er legt sich dann bäuchlings auf sein Brett, paddelt mit den Armen ein paar Meter, bis er eine Stelle erreicht hat, an der ihm sein Vater vom Boot aus das Zugseil gut zuwerfen kann.

Er hört das Platschen des Wassers, seinen Atem. Er achtet nicht auf seinen Vater, der plötzlich wild mit den Händen gestikuliert und schreit. Ein anderes Motorboot jagt mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zu. Er weiß, er kommt nicht mehr schnell genug weg, abtauchen kann er auch nicht, er trägt eine Schwimmweste.

Drei Tage nach dem Unfall sitzt die Mutter bei ihm im Krankenhaus. „Sie müssen amputieren.“ Der rechte Unterschenkel, eine Blutvergiftung, die Ärzte sehen keine andere Möglichkeit. Er wird seinen 15. Geburtstag in der Klinik erleben. Drei Monate, in denen sein Kopf schwirrt, es sind die immer selben Fragen. Was wird? Finde ich jemals eine Freundin? Wer will mich so noch haben?

Vom Unglück ins Glück durch Willenskraft

Irgendwann merkt er, dass da noch etwas anderes ist. Wille. Ein Glaube. „Ich werde eines Tages wieder Sport treiben.“ Die Eltern bringen ihm Surfer-Videos, irgendwann steht ein Mann in seinem Zimmer, der die Hose runterzieht und ihm zeigt, was man mit so einer Prothese alles anfangen kann und dass es nicht das Ende des Lebens bedeutet. Als der Vater erzählt, er wolle das Boot verkaufen, sagt Markus: „Auf gar keinen Fall. Ich möchte wieder Wakeboard fahren.“

Zwei Jahre nach dem Unfall wird er deutscher Vize-Jugendmeister im Wakeboarden. Neun Jahre später, im Sommer 2012, gewinnt er bei den Paralympics in London Gold im Weitsprung. Er fliegt inzwischen weiter als die besten deutschen Weitspringer mit gesunden Beinen. Rehm sagt, er habe sein Glück gefunden. „Ich bin gelassener geworden. Ich bin gesund. Ich habe Freunde.“ Er könne das Leben schätzen, besser als früher.

Geschichten wie seine stellen die Wissenschaft vor Rätsel. Wie kann es sein, fragen sich Heerscharen von Psychologen, Neurologen, Genetikern und Sozialforschern, dass manche Menschen, die alles zu haben scheinen, unglücklich sind – und andere trotz eines Schicksalsschlags ein glückliches Leben führen? Sie suchen nach Antworten auf eine der großen Fragen der Menschheit.

Was braucht ein Mensch, um glücklich zu sein? Und was ist das überhaupt: Glück?

Serotonin bestimmt längerfristigen Gemütszustand

Die Suche nach dem Glück ist eine Sehnsucht, die den Menschen seit je antrieb. Sie gehört so sehr zur Philosophie der Antike wie Platon oder Epikur, im 18. Jahrhundert schrieb Thomas Jefferson sie in die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, als Grundrecht. In modernen Gesellschaften ist sie zu einem Lebensinhalt geworden. Sie lässt Menschen um die Welt reisen, zur Einkehr ins Kloster ziehen oder Drogen nehmen, sie treibt Städter aufs Land, in Yoga-Studios und nährt eine ganze Ratgeber-Industrie, die verspricht, bei der Suche behilflich zu sein und die besten Tipps parat zu haben.

Die Wissenschaft versucht, das Glück und seine Voraussetzungen zu vermessen. Forscher scannen das Hirn und erforschen die Gene. Seit ein paar Jahren gibt es die Glücksforschung als eigene Disziplin. Ihre Ergebnisse, Tausende wissenschaftliche Arbeiten, werden in Rotterdam gesammelt, in der Erasmus-Universität, in der „World Database of Happiness“, der Weltdatenbank des Glücks. Jeden Tag kommen neue hinzu.

Freude, eine Form des Glücks, gehört wie Angst, Ekel oder Wut zu den Basisemotionen, den Grundfarben im Malkasten der Gefühle. Sie entsteht im Gehirn durch ein sehr komplexes Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen und durch körpereigene Botenstoffe, vor allem Serotonin oder Noradrenalin. Sie sind für langfristiges Wohlbefinden entscheidend und heißen deshalb auch Glückshormone.

Noradrenalin steuert, wie aufmerksam ein Mensch negative oder positive Reize wahrnimmt. Die Konzentration von Serotonin im Hirn bestimmt den längerfristigen Gemütszustand eines Menschen. Ein Mangel an Serotonin kann depressive Stimmungen, gesteigerte Angst und Aggression auslösen. Der dritte wichtige Botenstoff ist Dopamin. Er richtet die Aufmerksamkeit des Menschen auf jene Reize, die ein Wohlgefühl versprechen. Das kann ein gutes Essen sein, das Lächeln eines Babys oder Sex.

Glück durchströmt den ganzen Körper

„Der Mensch strebt nach Glück, weil der Ausstoß von Dopamin als sehr belohnend erlebt wird“, sagt der Neurowissenschaftler Tobias Sommer-Blöchl vom Hamburger Universitätsklinikum. Die Amygdala, Zentralstelle für die Verarbeitung emotionaler Erregung, wird davon ebenso informiert wie der Hippocampus, das Gedächtniszentrum und einige andere Hirnregionen. Das Hochgefühl, des entsteht, wenn ein Verlangen gestillt wird, entsteht dadurch, dass der Körper Endorphine ausschüttet, eigene Opiate.

Glück ist ein sehr körperliches Gefühl, das Menschen offenbar überall in der Welt ähnlich empfinden. Das ist durch jüngere Forschung belegt. Glück durchströmt den ganzen Körper, von Kopf bis Fuß. Der Stolz dagegen sitzt in der Kopf- und Brustgegend, die Angst in der Brust und der Bauchgegend. Das haben Forscher der Aalto University in Finnland vor einigen Monaten herausgefunden.
Die Wissenschaftler hatten 700 Menschen aus allen Erdteilen gebeten, auf Körpern einzuzeichnen, in welcher Körperregion sich bestimmte Gefühle bemerkbar machen. Sie waren selbst erstaunt, wie ähnlich sich die Zeichnungen waren. Nachzulesen ist das im „Proceedings of the National Academy of Sciences“, einem angesehenen amerikanischen Wissenschaftsmagazin.

Glück und Unglück hängen eng zusammen

Dennoch, das Glück ist schwer zu fassen, auch für die Wissenschaft. Ihr Versuch, es umfassend zu erklären, hat viele Antworten hervorgebracht, aber auch Widersprüche. So glauben die einen Wissenschaftler, vor allem die Gene entscheiden, ob, wann und wie intensiv ein Mensch Glück empfindet. Die anderen sind überzeugt, es hänge in erster Linie davon ab, was jemand vom Leben erwarte. Und wieder andere halten die Lebensumstände und den Zufall für besonders wichtig.
Als sicher gilt aber erstens, dass Glück und Unglück oft sehr eng miteinander zusammenhängen, und zweitens, dass Menschen ihrem Schicksal nicht ausgeliefert sind. Sie können sich Zuversicht aneignen, ihr Glück beeinflussen. Allerdings werden wichtige Voraussetzungen offenbar schon sehr früh im Leben geschaffen.

Möglicherweise können Eltern ihren Kindern helfen, im Leben glücklicher zu werden. Dabei helfen Erfolgserlebnisse und Herausforderungen.

Als Markus Rehm nach seinem Unfall im Krankhaus lag, gequält von Fragen und Zweifeln, hat es ihm geholfen, dass seine Familie für ihn da war. Die Eltern haben ihn gefördert, die Schwester hat ihm Mut zugesprochen. Er war, trotz des Unfalls, noch immer ein Sportler, ein Leichtathlet. Sein trainierter Körper, seine Zähigkeit, sein Kampfeswille, den er tief verinnerlicht hatte. Er hatte als Kind begonnen.
„Erfahrungen, die Kinder im Leben machen, formen das Gehirn des Kindes“, sagt der Freiburger Neurobiologe Joachim Bauer. Man könne Kindern helfen, ein geistiges Immunsystem aufzubauen. Sie müssten Herausforderungen bestehen und Erfahrungen machen, an denen sie sich bewähren könnten. Doch er meint es auch wörtlich, wenn er sagt, das Gehirn eines Kindes werde geformt. Bauer erforscht seit Jahrzehnten die Wechselwirkungen zwischen Gehirn und Körper. Das Hirn eines Menschen passt sich an die Lebensumstände an, teilweise rasant schnell. Forscher nennen das Neuroplastizität.

Das Gehirn passt sich allen Herausforderungen an

Wie ein Hirn sich entwickelt, wie sich Nervenzellen bilden, hängt sehr davon ab, wie es gefordert wird. Forscher der Universität Zürich machten Tests mit Menschen, die sich den rechten Arm gebrochen hatten und eine Zeit lang nur die linke Hand benutzt haben. Nach gut zwei Wochen hatten sich bestimmte Regionen ihres Hirns markant verändert. Die einen wurden dünner, die anderen wuchsen, damit sich die Feinmotorik der linken Hand verbesserte.
Der spanische Neurologe Alvaro Pascual-Leone kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Er ließ seine Testpersonen ein einfaches Klavierstück üben. Anschließend untersuchte er jene Regionen in ihrem Gehirn, die die Motorik steuern. Die Gegend, die die Fingerbewegungen steuert, hatte sich vergrößert. Das Gehirn funktioniert also wie ein Muskel, es wächst mit seinen Aufgaben. Auf diese Weise, glaubt Bauer, stelle es sich auch darauf ein, schwierige Lebenslagen zu verarbeiten.
„Die Kraft, die uns die Gewissheit gibt, dass wir mit einer Herausforderung klarkommen können, hat ihren Sitz im vorderen Teil unseres Gehirns.“ Dieser Bereich heißt cingulärer Cortex oder Gürtelwindung. Er sitzt im Frontlappen der Großhirnrinde und bekommt Informationen aus drei wichtigen Teilen des Hirns. Die Informationen fließen aus dem Gedächtnisspeicher, der Erfahrungen gespeichert hat.

Dazu meldet das Angstzentrum, die Amygdala, Informationen über die aktuelle Gefahrenlage in der Außenwelt weiter. Das Wissen über Strategien, was in einer bestimmten Situation zu tun ist, sitzt im Stirnhirn, dem präfrontalen Cortex. Dort ist das Wissen darüber gespeichert, welche Strategien angewandt werden können, um einen Plan umzusetzen. Das Zusammenspiel entscheidet demnach darüber, ob ein Mensch in der Lage ist, glücklich zu sein oder zu werden. Auch nach Schicksalsschlägen.

Menschen erholen sich in der Regel schnell vom Unglück

Nach einer Untersuchung des amerikanischen Psychologen und Trauerforschers George A. Bonanno von der New Yorker Columbia-Universität sind zwei Drittel aller Menschen in der Lage dazu. Bonanno erforschte die Seelenlage von Frauen und Männern, die ein Kind oder ihren Lebensgefährten an den Tod verloren hatten. Was er bei den meisten feststellte, war eine erstaunliche Kraft. Sie hatten depressive Phasen und litten, aber sie erholten sich schnell.
Ein wesentlicher Grund dafür, glauben Forscher wie Bauer, liegt in der Kindheit. In dieser Zeit wächst das Hirn besonders schnell, und es werden die Teile ausgebildet, die bestimmte Areale des Hirns miteinander vernetzen. Es scheint außerdem so zu sein, dass ein bestimmter Typ Mensch es leichter hat. Solche mit ausgeglichenem Temperament. Das natürlich die meisten gerne hätten.

Ein lauer Sommerabend in Kiel. Gut 500 Frauen und Männer sind in eine Buchhandlung gekommen, um einem Mann mit hoher Stirn zuzuhören, dessen schwarze Brille sein Gesicht in zwei gleich große Hälften zu unterteilen scheint. Robert Betz, Jahrgang 1953, blaues Hemd, Jeans, sportliche Lederschuhe, ist Psychologe, er lebt in München.

Der normale Mensch lasse sich von privaten und beruflichen Erwartungen einengen, sagt der Psychologe Robert Betz.
Der Glückliche kenne seine Gefühle und akzeptiere sich, wie er ist

Er hat Bücher über die Suche nach dem Glück geschrieben und ist damit ziemlich erfolgreich. Es geht darin um Zwänge. Den Zwang, Karriere zu machen, Kontakte zu pflegen, eine Bilderbuchfamilie zu haben, gut auszusehen. Die alltäglichen Überforderungen eben. Betz tourt mal wieder durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, um Vorträge zu halten. Wo er auftritt, sind die Säle ausverkauft. Seine Zuhörer sind Glückssucher, Menschen auf der Jagd nach einem zufriedeneren Leben, 30.000 im Jahr.

Selbstakzeptanz als Weg zum Glück

Betz sitzt auf einer kleinen Bühne auf einem Stuhl. Er beginnt Abende wie diesen immer mit derselben Frage. „Wer hatte einen glücklichen Vater, wer eine glückliche Mutter?“ Die Antwort ist auch fast immer dieselbe. Fünf oder sechs seiner Zuhörer heben die Hand. Betz glaubt, wem das Glück als Kind nicht vorgelebt wurde, der kann es als Erwachsener nur schwer selbst erleben.

„Es geht nicht darum, die Eltern zu verurteilen“, sagt Betz. „Die haben meistens alles so gut getan, wie sie eben konnten.“ Betz spricht über das Herz, über Freude, Sehnsüchte, Wünsche und die verlorene Verbindung zum eigenen Ich. Dann schaltet er Musik an. Whitney Houstons „I Look to You“. Betz schließt die Augen. Nach dem Song beginnt die erste Meditation. Einige weinen.

Betz bezeichnet sich als Lebenslehrer. Typische Betz-Sätze gehen so: „Die Menschen haben Angst davor, allein zu sein. Davor, was ihnen dann begegnet.“ Tief in ihnen schlummerten unterdrückte Gefühle und Wünsche, die mutmaßlichen Quellen des wahren Glücks. Der normale Mensch lasse sich von privaten und beruflichen Erwartungen einengen; der Glückliche kenne seine Gefühle und akzeptiere sich, wie er ist.

Es ist leicht, Betz zu belächeln, seinen offensichtlichen Geschäftssinn und seinen Hang zur Esoterik. Er wird dafür oft kritisiert. Doch die Leute strömen freiwillig zu Tausenden zu ihm. Und wenn man seine Vorträge besucht, kann man den Eindruck gewinnen, dass tatsächlich viele Deutsche nicht viel mit sich anfangen können. Sie mögen eine Familie haben, einen festen Arbeitsplatz, ein Haus oder eine schöne Wohnung und sind doch nicht froh.

Der Mensch fühlt sich in kleinen Gruppen wohl

Der Amerikaner David Buss hat sich auf das Gebiet der evolutionären Psychologie spezialisiert, vor 14 Jahren hat er einen Artikel im Fachblatt „American Psychologist“ veröffentlicht, der bis heute als wegweisend gilt. Titel: „Die Evolution des Glücks“. Darin erklärt Buss, wie früher die Vorstellung vom guten Leben entstand und warum Menschen sich heute bei der Glückssuche häufig selbst im Weg stehen.

Seine Antwort: Der Mensch ist noch nicht reif für jene moderne Welt der Millionenmetropolen, der neuen Techniken, der rasend schnellen Verkehrs- und Informationsströme, die er selbst erschaffen hat. Der Mensch funktioniere tief im Innern noch wie in der grauen Frühzeit der Zivilisation, in der alten Welt kleiner, überschaubarer Stammesgruppen.
Für viele bleibt das Ziel "Glück" frustrierend weit außerhalb der eigenen Reichweite.

In jedem Menschen steckten demnach vererbte Mechanismen, die früher das Überleben gesichert hätten. Auch die Fähigkeit, sich gut zu fühlen. „Glück ist ein Ziel, wonach die meisten Menschen streben“, schreibt Buss. „Aber für viele bleibt dieses Ziel frustrierend weit außerhalb der eigenen Reichweite.“

Dabei haben Menschen aller Zeiten geschuftet, um ihr Leben und das ihrer Nachkommen schöner, einfacher und glücklicher zu machen. Lebenserwartung und Lebensqualität sind in den vergangenen Jahrhunderten dank Antibiotika, Operationsmethoden, Impfungen und dem Kampf gegen Unter- und Mangelernährung gestiegen. Heizungen, Klimaanlagen und Warnsysteme schützen den Menschen vor Kälte, Hitze und Stürmen. Das Glück aber hat sich bei vielen trotzdem nicht dauerhaft eingestellt.
Buss sagt, das liege daran, dass der Mensch für ein Leben in kleinen, festen Gruppen gemacht sei. So 50 bis 200 Menschen um sich herum, das werde ihm gerecht. Da fühle er sich sicher und geborgen. Doch schon in Dörfern lebten mehr als 200 Menschen, von Städten und Metropolen ganz zu schweigen. Vielen fehlten die lockeren und die engen sozialen Bindungen, die in kleinen Gruppen mit der Zeit wie von selbst entstehen. Großeltern, Eltern, Kinder, Verwandte und Freunde leben oft Hunderte Kilometer entfernt.

Wertschätzung der Arbeit ist für Psyche überlebenswichtig

Und der Einzelne gilt umso weniger, je größer seine Gruppe wird. Viele Menschen arbeiten in Unternehmen mit Hunderten oder Tausenden Angestellten, viele beschleicht das Gefühl, ersetzbar zu sein. Und das ist für Buss ein ganz entscheidender Punkt. Zu erfahren, dass die eigene Arbeit wertgeschätzt wird, sei für die Psyche des Menschen überlebenswichtig.
„Wenn Wohlbefinden davon abhängig ist, tiefe intime Bindungen zu haben und ein wertgeschätztes Mitglied einer Gruppe zu sein, dann sind die Bedingungen des modernen Lebens geradezu prädestiniert dafür, menschliches Glück zu verhindern.“ Andere Forscher sehen es ähnlich. Das Leben in einer großen Stadt untergrabe das Verständnis davon, wer man ist und was man möchte.

Das Erbgut bestimmt mit, ob ein Mensch die Gabe zum Glücklichsein hat. Aber es ist nicht der einzige Faktor

In der globalisierten Welt ziehen viele Menschen dem nächsten Job hinterher, gern nach Berlin oder Hamburg, London oder New York. Eine große Stadt bedeutet große Möglichkeiten. Doch wo es viele Möglichkeiten gibt, lauert auch das Gefühl, vielleicht etwas Tolles zu verpassen. Eine noch tollere Stadt, einen besseren Job, einen großartigen Partner.

Studien des Psychologen Douglas T. Kenrick zeigen, dass die Wahl eines Partners immer schwieriger wird, je mehr infrage kommen. Auch die Zufriedenheit mit der Liebesbeziehung schwankt, ständig scheint es Dutzende Alternativen zu geben. Den Nachbarn, die Arbeitskollegin. Die vielen Möglichkeiten machen es dem Menschen schwer, eine gute Entscheidung zu treffen und mit ihr zufrieden zu sein.
Heute wetteifern wir alle mit den Besten der Welt

Der Grund? Falsche Vorstellungen, unerreichbare Ideale. „Heute wetteifern wir alle mit den Besten der Welt“, schrieben die US-Forscher Randolph M. Nesse und George C. Williams vor 20 Jahren. Die Globalisierung, das Internet und soziale Netzwerke haben diese Entwicklung auf eine Weise verschärft, die 1994 noch undenkbar schien.

Forscher der TU Darmstadt und der Humboldt-Universität Berlin fanden jüngst heraus, dass Facebook seine Nutzer tendenziell unglücklich macht. Mit Fotos von scheinbar tollen Partys, großen Reisen und einem sexy Partner stellen Facebook-Nutzer ihre besten Seiten aus. Ein Ideal, das die Wirklichkeit verzerrt, an dem sich aber andere Nutzer messen.
Eine neue Studie des Psychologen Ethan Kross von der University of Michigan bestätigt das. Je öfter sie Facebook nutzten, umso trauriger fühlten sie sich und umso weniger soziale Kontakte hatten sie im wirklichen Leben. „Wer glücklich sein will, der muss wieder lernen, seine eigentliche Umgebung wahrzunehmen“, sagt deshalb der britische Verhaltensforscher Paul Dolan.
Er sagt, Bekanntschaften und Freundschaften bestimmten ganz entscheidend mit, ob sich jemand wirklich wohlfühle. „Wir haben eine falsche Vorstellung vom Glück. Deswegen rackern sich die Menschen für den perfekten Job ab, sind ständig online und wollen immer mehr erleben. Den eigentlichen Moment können sie dann aber kaum genießen.“

Immer zuerst die positive Seite der Dinge sehen

Wer ständig einer Vorstellung vom vollkommenen Glück hinterherjagt, macht sich leicht unglücklich. Das passiert vor allem in westlichen Wohlstandsgesellschaften. Denn die Suche nach dem Glück ist dort inzwischen eine Art Fetisch. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist die erst kürzlich veröffentlichte Großuntersuchung eines Forscherteams von der University of New South Wales.
Die Studie mit mehr als 9000 Teilnehmern aus 47 Ländern legt nahe, dass besonders eine bestimmte Menschen Probleme mit dem Glück hat. Jene, die aufgrund ihres Temperaments etwas weniger positive Gefühle empfinden als andere. Das allerdings ist noch nicht ihr Problem. Ein Problem wird es erst, sobald sie auf einer Party sind, Zeitschriften lesen, fernsehen, im Internet surfen oder auf Facebook gehen und ständig das Gefühl vermittelt bekommen, sie müssten eigentlich viel öfter glücklich sein.
Solche Entwicklungen erklären den rasanten Anstieg psychischer Erkrankungen in den Industrieländern, zumindest teilweise. Mehr als jeder dritte Deutsche ist von einer psychischen Störung betroffen. Meistens von einer Angststörung, Alkohol- und Suchterkrankungen oder Depressionen, oft kommt alles zusammen. Depressive Menschen haben häufig das Gefühl, mit ihrer Suche nach dem Glück gescheitert zu sein.
Sie neigen dazu, negative Erlebnissen und Wahrnehmungen wichtiger zu nehmen als positive. „Die innere Blaupause für das Glücklichsein“, sagt der Mediziner Malek Bajbouj von der Charité in Berlin, „das ist, wenn es einem gelingt, immer zuerst die positive Seite der Dinge zu sehen.“

Glück kann auch ganz einfach sein

Im 18. Jahrhundert ist Glück noch untrennbar mit Begehrlichkeiten, persönlicher Leistungsfähigkeit und Belohnung verbunden gewesen. Heute wolle jeder mehr, ohne je satt zu werden. Manche Gesellschaften haben sich großen Wohlstand erarbeitet. Zu viel für viele Menschen, um glücklich zu werden. Dabei, so glauben die Forscher, könnte es ganz einfach sein. Und es gibt Menschen, die erfahren das auch.
Katias blonde Locken schimmern im Sonnenlicht, als sie einen Teller mit frischen Erdbeeren und aufgeschnittener Wassermelone auf einen Holztisch stellt. Ein altes Bauernhaus, ein großer Garten, in dem wilde Blumen wachsen. „Wir sind sehr glücklich hier“, sagt sie. Hier, das meint Altengamme, direkt an der Elbe, mit dem Auto ist es eine gute Dreiviertelstunde bis in die Hamburger Innenstadt.
Bis vor zwei Jahren haben sie in St. Pauli gelebt, sie und ihr Freund, ein Paar Mitte 30 mit einem Sohn. Katja wollte aufs Land ziehen, ihr Freund nicht. Sie hat ihn überredet. „Zum Glück“, sagt er heute. „Ich hatte nie dieses Idealbild vom ruhigen Landleben. Es ist aber tatsächlich ideal. Die Ruhe, die Natur und die Gemeinschaft hier.“

In der Natur, nah am Meer und weitab von Städten, sind die Deutschen am glücklichsten.

Quelle: dpa/iwa axsa

Gelesen 62 mal

Terminkalender

Termine von Life Management

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30